Es ist wieder mal Frühling. Vereinzelt höre ich sogar, es wäre Sommer, aber das ist meteorologisch unkorrekt; nur vom Gefühl kann man das behaupten. Wie wir aber alle wissen, ist es sehr verwerflich, sich von Emotionen leiten zu lassen. Bleiben wir also mal dabei, dass Frühling ist. Angeblich entstehen da jedes Jahr „Frühlingsgefühle“, was im Allgemeinen einfach nur bedeutet, dass man ein wenig geiler als sonst im Jahr wird.

Die Leute sind also quasi evolutionär dazu verdammt, von nun an alles zu bewegen, damit sogenannte Beziehungen entstehen können. Es ist schon fast ein Zwang; sei es, weil sie ihre Freunde beneiden, Ideale aus den Medien erfüllen wollen oder meinen, etwas zu verpassen – sie erzwingen eine Partnerschaft geradezu.

Hier findet sich auch gleich die Problematik: Die Menschen haben das Lieben verlernt. Irgendwann war es mal so, dass Liebe auf gegenseitiger Zuneigung beruhte, die einfach da war; und sollte es von vornherein nicht sein, dann war es eben nicht. Heute wird sich angepasst, bis man meint, der perfekte Partner für den Anvisierten zu sein, und er dann auch.

Plötzlich wird andere Musik gehört, man redet anders, kleidet sich anders. Meist findet das nur auf einer Seite statt. Irgendwann hat man es dann geschafft, indem man sich eigentlich komplett gewandelt hat. Die Freunde sind nicht mehr so wichtig, man hat ja jetzt jemanden. Da nimmt man freudig in Kauf, sich selbst verloren zu haben.

Mit der Zeit lässt die Kraft jedoch nach, und die wahre Persönlichkeit tritt wieder hervor, an der so gar nichts anziehendes mehr für den Partner ist. Die Liebe vergeht, weil es nie Liebe war. Sich, allen anderen und vor allem dem Partner machte man etwas vor, was man nie aufrecht hätte halten können. Der Winter kommt; wie das so ist, sehnt man sich nach Liebe; man möchte die Schmetterlinge halt spüren. Und macht es daher im nächsten Frühling genau so.