Dass meiner Generation die Visionen und Ideen fehlen, hört man oft. Wir hängen in unserer Freizeit lediglich unproduktiv in unseren Gegenden rum, lesen keine Zeitung mehr, missbrauchen unsere Mobiltelefone als kratzige Ghettoblaster und schauen vor allem über 200 Minuten täglich fern.
Dabei hätte gerade das Fernsehen immerhin noch Potential, uns Wissen zu vermitteln, welches für die Entwicklung von Visionen unweigerlich gebraucht wird. Zumindest dachte ich mal, dass zum Beispiel Wissenschaftsmagazine diesen Anspruch erfüllen sollen. Stattdessen dienen auch sie nur zur seelenlosen Unterhaltung der abgestumpften Masse, der man ohnehin alles präsentieren kann; es wird konsumiert, was da ist.
Qualität wird schon seit einer ganzen Weile nicht mehr verlangt. Hauptsache es läuft was in der Kiste, das beim Abschalten nach dem dumpfen Arbeits- oder Schulalltag hilft. Somit muss sich kein Sender um irgend etwas bemühen, was ein wenig innovativ oder gar komplett neu ist; es kommt doch eh nicht gut an. Man setzt auf das, was millionenfach da ist; man kopiert sich lustig durch die Fernsehwelt oder füllt die Programmlücken einfach mit abgenutzten Clipshows samt Moderator-Immitaten.
Also müssen auch die Verantwortlichen dieser Wissenschaftsmagazine kaum arbeiten. Die Berichte beschränken sich auf die Maße des größten Steaks und die Zubereitung von Erdbeerkuchen. Oder sie bestehen gänzlich aus im Grunde werbenden Beiträgen über Sandwich-Lokale. Der Informationsgehalt in den Beiträgen bewegt sich bei Null, auch wenn Erdbeerkuchen zweifelsfrei lecker ist. Für das Erlangen von Wissen kann man die Sendungen aber nicht verwenden, sollen sie doch aber genau das bewirken.
Und sie sollten auch wirklich. Der Vorwurf der fehlenden Ideale in den Köpfen der Jugend ist berechtigt; man sieht es doch wirklich überall. So war es mal in einer Vorprüfung im Fach Englisch eine Wahlaufgabe, einen Text über die Vorstellungen für die Zukunft der Welt zu schreiben. Kaum einer mit dem ich sprach wählte dieses Thema. Dies kann ein Zufall sein, ich denke aber, das ist doch auch schon bezeichnend.
Im Deutschunterricht wurden wir einmal nach unseren Visionen gefragt. Viele hatten überhaupt keine, beim Rest ging es lediglich um die eigene nähere Zukunft, ohne zu bedenken, dass diese auch nicht ohne die Zukunft der jeweiligen Umgebung funktionieren kann, über die man sich ab und an Gedanken machen sollte.
Die meisten haben bereits jetzt resigniert, weil überall die Stimmung verbreitet wird, dass man ja nix mehr ändern könne. In der Politik sitzen nur Arschlöcher, der ganze Staat ist korrupt und nimmt uns nur aus. Dass man selbst womöglich einmal die Macht haben könnte, das zu ändern, es zu bessern – das wird nicht bedacht, dazu müsste man sich ja auch bewegen und eigene Ideen entwickeln. Vorm Fernseher ist es da einfacher.
Statt die Zuschauer also mit schlecht pointierten Comedies, schädelrasierten TV-Köchen und Mainstream-Castingshows flächendeckend zu bombardieren, kann man das ja mal mit inhaltlich wertvollen Magazinen tun, die Informationen vermitteln und bei der Entwicklung des Idealismus helfen können; es wird ja konsumiert, was da ist. Vielleicht würde es auf diesem Wege mehr bringen. Es wäre jedenfalls schon mal ein Weg; nicht der beste oder der einzige Weg, aber einer. Genug Menschen würden erreicht, so viel wäre klar.
Und es würde nicht mehr eine gesamte Generation verleumdet und in der Bahn schief angesehen, wenn sie ne Zeitung auspacken und sie nicht verbrennen.