Das muss mal gesagt werden: Die deutsche Sprache ist toll! Das sage ich wahrscheinlich, weil ich Deutscher bin. Wäre ich Portugiese, Afgahne oder gar Amerikaner, fände ich auch diese jeweiligen Sprachen schön. Da ich aber nun mal mit der deutschen Staatsbürgerschaft gesegnet wurde, nehme ich Deutsch. Man kann jedes Gefühl, was man sich nur erdenken kann, in passende und wohlklingende Worte kleiden; möchte man nun seine Liebe kundtun, Freude versprühen oder einfach nur mal deftig fluchen. Das alles geht sehr gut.

Doch gerade unter den Jugendlichen ist es gerade sehr aktuell, auf alles das nen großen Haufen zu legen und vor der Muttersprache noch weniger Respekt zu haben, als vor Eltern. Wie wir alle wissen, sind dreiviertel der Teenager bekloppte Mitläufer, die all das tun, was ihre idiotischen Freunde vorgeben. Und das beschränkt sich längst nicht mehr auf die weißen Nikes und Betonfrisuren oder das Auslassen von grammatikalisch notwendigen Wörtern beim Reden (wobei dann so was rauskommt wie: „Wir gehen McDonalds“).

Ist man in einer Internetcommunity unterwegs, die auf eine jugendliche Zielgruppe ausgerichtet ist, kommt man gar nicht umhin, diese Hirnzellenarmut zu beobachten: Wörter werden an den unmöglichsten Stellen und aus wahrlich unerfindlichen Gründen verlängert, mit unsinnigen „ä“, „ö“ oder „ü“ garniert, abwechselnd GrOß uNd kLeIn geschrieben oder als Krönung der Rechtschreibungs-Retardiertheit durchgehend mit $0nd€rz€!ch€n versehen.

Es wird sich mir nie erschließen, wie man ernsthaft glauben kann, durch solche Schriftvergewaltigung cool zu sein. Dass es ein weiteres Symptom des Mitlaufens ist, hab ich ja bereits geklärt. Es ist also nicht verwunderlich, dass dieser Müll nicht ausstirbt, mich würde nur interessieren, wie behämmert man sein muss, um so etwas überhaupt entstehen zu lassen.

Ich bekomme regelmäßig das Kotzen – das widerlichste, sauer schmeckende, das man sich vorstellen kann – wenn ich auf die Profile klicke und dann „SüzZzäÄ“ oder „StAiiL“ lesen muss. Was man leider auch sagen muss, ist, dass die meisten Verfechter dieses Hirnschrotts weiblich sind. Deswegen tut es mir auch immer schon beinahe leid, wenn ich bei „Sätzen“ wie „iicH lIeBe diish sou dolLää…“ regelrecht ungesunde Aggressionen bekomme, die mich im Beisein der Personen wohl dazu veranlassen würden, die geschminkten Gesichter mit meiner Tastatur zu bearbeiten. (Schaden würde ja keiner angerichtet; bei manchen hat man echt das Gefühl, dass man eh nie durch die 12 Tonnen Make-Up käme.)

Die Dopplung der „i“ in spezifischen Wörtern ist gerade das, was jeder tun muss, um dazu zu gehören. Warum? Was hat euch die deutsche Sprache getan? Ist das eine Rebellion gegen den Deutschunterricht? Müsst ihr deswegen die gesamte Sprache in den Dreck ziehen und „sollsd“, „aba“ oder „schice“ schreiben? Ich seh’s schon kommen: In ein paar Jahren werden dann gesamte Deutschaufsätze in dieser Pussyschrift abgeliefert werden und irgendwann danach gibt es einen Styler-Duden, der alles wichtige erfasst, damit man sich der Masse auch angemessen fügen kann.

Um das mal klarzustellen: Selbst wenn ich alle meine Freunde verlieren sollte, weil ich Deutsch schreibe und dabei auf Rechtschreibung/Grammatik achte – ich werde es nie auch nur im Entferntesten wagen, so zu schreiben, es sei denn, es handelt sich um einen satirischen Zweck. Die Vorstellung, ich könnte genau so bescheuert sein (was theoretisch ja möglich wäre) raubt mir den Schlaf!

Und dabei habe ich längst nicht alles erwähnt. Ein unermüdliches Quell der Freude sind ja auch denglishe Idioten-Sätze. So was wie: „iich love dish“. Es ist immer traurig, wenn die Wahrheit die Satire überholt, aber es ist leider wirklich so. Die trendigen Usernamen in solchen Communities sind schon das nächste. Man sollte überall ein „dlx“ (oder dLx, dlX, d_l_x oder *~dlxXxXxX~*) dranhängen und sich als Mädchen möglichst „Pussy“ oder „Bitch“, als Kerl „Styla“ oder „Maik“ nennen. Natürlich dürfen die Schreibweisen variieren, aber so sollte man es schaffen, alle Individualität zu killen und damit glücklich dazu zu gehören. Herrlich.

Desweiteren muss man es nicht beim übermäßigen Gebrauch von Buchstaben belassen, denn mit Satzzeichen geht das viel einfacher. Man macht einfach im ganzen Satz keinen Punkt kein Komma weil das geht viel schneller und ist so schön verständlich am Ende macht man das wett mit geballter Kraft der Ausrufezeichen auch wenn die nicht passen weißt du wie ich meine!!!!!!!

Ja, so läuft das heute, und ich könnte noch Unmengen an Beispielen aufschreiben, aber das sprengte den Rahmen. Es gibt auch wirklich keine Schlussfolgerung, weil es mir nicht klar ist, warum der Scheiß gemacht wird. Manchmal fühle ich mich Kafka unter Tausenden von Sonderschülern aus der Unterstufe wenn ich da etwas schreibe. Irgendwie ja aber auch ein tolles Gefühl.