Diverse Menschen fordern zurzeit die „Todesstrafe für Kinderschänder“. (Obama: You just lost your credit!) Gerade durfte ich das erneut in einem der zahlreichen User-Profile in Dresdens größter Partycommunity lesen, und beschloss, es nicht weiter unkommentiert zu lassen.

Was sich diese Leute da vorstellen, ist ziemlich naiv. Ich kann verstehen, dass man einen Vergewaltiger gern mal so behandeln würde, wie Jack Bauer das täte, wenn man ein Opfer ist, oder eins kennt. Man muss nur mal überlegen: Hab ich ein Kind im Bekanntenkreis? Mag ich das sehr? Was würde ich fühlen, wenn es einem kranken Wichser ausgeliefert gewesen wäre? Dann kann man sogar eine gewisse Nachvollziehbarkeit entdecken.

Wer sich aber ernsthaft für dieses Statement ausspricht, hat an dieser Stelle mit dem Nachdenken aufgehört. Will man wirklich in einem Staat leben, der „Gleiches mit Gleichem vergilt“? Man sollte froh sein, dass gerichtliche Entscheidung noch nach Gesetzen getroffen werden und nicht willkürlich, weil die Täter Gestörte sind. Ich bin immer noch der Ansicht, dass es für solche Menschen weitaus schlimmer ist, weiter leben zu müssen. Es ist eine größere Strafe, sein Gesicht überall nebst den vernichtenden Schlagzeilen zu sehen; praktisch gesellschaftlicher Abschaum zu sein. Und was im Gefängnis mit Vergewaltigern passiert, dürfte bekannt sein Ein Tod durch die Giftspritze – oder was auch immer – ist doch letztendlich nur eine Erlösung für die Täter.

Mit Abschreckung braucht auch keiner zu kommen. In den USA stiegen die Kapitalverbrechen ja sogar an, obwohl es die Todesstrafe gibt. Gegner dieses Mittels argumentieren hier, dass die Todesstrafe eben zu einer Verrohung führte und die Gesellschaft immer offener für Gewalt wird. Sollte da was dran sein, kann man sich ja mal vorstellen, wie das weitergeht: Demnächst wird angeregt, die Todesstrafe für Taschendiebe einzuführen. Oder es kommt die Todesstrafe für Anrempeln während Konzerten.

Ich möchte keineswegs irgend eine Form von Gewalt gutheißen. Ich bin grundsätzlich ein sehr friedliebender Mensch (wobei ich dieses Prinzip ausheble, wenn mir jemand Kettenbriefe schickt…) und versuche, etwaige Konflikte wie ein normaler Mensch zu regeln. Aber solche Forderungen sind schon ziemlich doof.

Wenn man schon unbedingt jemanden abnippeln lassen will, die „Todesstrafe für Forderer der Todesstrafe“ allerdings öde findet, habe ich noch einige Vorschläge: Viel angebrachter wäre doch die „Todesstrafe für Sprachschänder“. Jeder der ohne klar erkennbaren satirischen Zweck „soU gAiiL aLdaA“ schreibt oder mehr als 3 Ausrufezeichen verwendet, wird exekutiert. Dann wäre ich noch für die „Todesstrafe für schlechten Musikgeschmack“. Es sollte mir erlaubt sein, einen Molotovcocktail in jede Wohnung zu werfen, aus der ich solche Abartigkeiten wie Basshunter oder auch Fler höre. Zusätzlich sollte es keine Konsequenzen haben, eine kleine Atombombe im Keller des Jamba-Hauptsitzes zu zünden.

Wenn wir schon mal so weit sind, gefiele mir auch die „Todesstrafe für Poser“. Jeder, der seine Hand auf Bildern an sein Kinn schmiegt und damit aussieht wie ein zurückgebliebener Pfadfinder, der Wegweiser spielt und dazu noch pseudo-nachdenklich nach rechts oder links schaut, sollte ebenfalls mit einer Hinrichtung zu rechnen haben.

Merkt man was? Ich finde es lächerlich, sich auf eine Stufe mit Gewalttätern stellen zu wollen. Damit hat man dann wahrlich überhaupt nichts gut gemacht. Und jeder, der mal ein bisschen darüber nachdenkt, sollte eigentlich auch zu diesem Schluss kommen.