So langsam wird es schon wieder hell, also muss es so in etwa halb 5 sein. Und das, wo es doch gerade erst dunkel wurde. Gut, eigentlich verging dazwischen ne Menge Zeit, aber irgendwie muss man es ja literarisch und verträumt halten, nech? Dazu könnte mir jedoch ganz geschwind mal die Lust vergehen, da ich am Straßburger Platz – um 04:27 Uhr, wie ich es gerade hinter mir vernahm – in der Bahnlinie 13 festhänge, da diese einen Stopp tätigt, zwecks Anschlussverbindung und so. Und das tu ich nicht gerade in überschwänglicher Zufriedenheit, wie man mir ansehen könnte, aber vor mir sitzt keiner.
Zuerst wäre da mein Magen – so nehme ich zumindest an – der sich unangenehm drückend meldet. Dies mag bedeuten, dass ich wirklich hungrig bin. Ich hab keine Ahnung, beschließe aber, an diesem hübsch beginnenden Morgen noch etwas zu essen. Dazu müsste ich aber langsam mal in Bewegung gesetzt werden und frage mich, ob das Glas, welches die Fahrgäste von der Kabine des Bahnführers trennt, eigentlich kugelsicher ist. Sprengstoffsicher ganz sicher nicht, aber wer weiß, ob Jack Bauer nicht einen Bruder in Dresden hat. Ich riskiere also nichts, und auf die 72 Schnecken kann ich aus naheliegenden Gründen ja eh nicht hoffen.
Die Bahn fährt nun sogar und es steigt etwas in mir auf, das sich wahrhaftig wie Hoffnung anfühlt: Nur noch circa 10 Minuten dämlicher Small-Talk hinter mir. Ich hasse Small-Talk, besonders weil ich nicht smalltalken kann und ich es furchtbar finde, Wörter wie „smalltalken“ schreiben zu müssen, um eben dies auf kurze und ungeschwollene Weise auszudrücken. Da sitzen nun also ein paar Kloppis, die ein Mädchen anbaggern wollen. Wahrscheinlich merkt das noch nicht einmal jemand von denen. Da ich so was aber nicht mach (der geneigt-aufmerksame Leser vermag nun bereits zu wissen, warum), bin ich sehr gut darin, es beim idiotischen Rest nach einer Sekunde zu erkennen. Aber ich feier mich grad schon wieder, tut mir leid. Sollte ich öfter machen, ich weiß.
Heute gibt’s jedoch keinen Grund dazu. Nicht dass man mich falsch versteht. Wenn man das dennoch möchte, ist das aber in Ordnung, da nicht mehr mein Verschulden: Ich fand den Abend durchaus nett, wobei ich schon weitaus angenehmere Luft geatmet hab, und ich war schonmal in ner Kläranlage. Die Menschen waren mir überwiegend sehr sympathisch und mindestens 3 davon ja auch der Grund für meine Anwesenheit.
Und doch konnte ich nicht ohne Zweifel an mir und allem zuhause fahren. (Ja. Ja, es war gewollt.) Ich bekam keine neuen Erkenntnisse, was einerseits gut, auf der anderen, viel mächtigeren Seite jedoch ziemlich mies war. Es führte wie immer dazu, mich bodenblickend und auf einer blinkenden Waschmaschine sitzend, zu fragen, warum ich es nicht geschafft habe, Arschloch zu werden. (Wobei das mit der Waschmaschine als optional verstanden werden darf.)
Als Arschloch wären mir alle Mädels kackegal, wie die Exkremente an der Zimmerdecke dem Grashüpfer. Dennoch wäre es das Leichteste überhaupt, eine Freundin zu haben. Weil wegen Arschloch-Sein und so. Es gibt genug, die dann meinen würden, ich bräuchte nur die richtige Erziehung, aber dies bedarf keiner weiteren Ausbreitung, wie ich finde.
Ich könnte etwa 3 Mädels probeweise am Start haben, und keine würde dieser arschlochige Umstand stören, sie würden um einen Platz als meine Erzieherin geradezu den Golfkrieg nachstellen wollen. Naja. Ich sauge mir das natürlich nicht einfach aus den Fingern, wie so vieles, was ich von mir geb, neinnein. So einen Menschen hatte ich getroffen und nur gehofft, dass er sich nicht noch eine Vierte holt. Dürfte klar sein, was ich damit nun andeute, richtig?
Lennèplatz übrigens. Zu vorletzt fuhr ich hier mit einer Freundin, die leider nicht meine Freundin war, im Dunkeln lang. War aber dunkler als jetzt. Jedenfalls beginne ich, sie zu vermissen, was einer fixen Abstellung bedarf.
Dann denke ich gar nichts mehr, außer vielleicht, was als musikalische Untermalung dienbar wäre. Ich einige mich mit mir auf etwas von den Poets Of The Fall und komme an meiner persönlichen Endhaltestelle an. Ein paar Minuten sind’s noch bis zu mir. Die Statdt wacht langsam auf, was ich immer ein wenig toll finde. Und nicht nur darum sage ich, dass ich das Mitkommen doch nich bereue.
Jetzt Essen! Und das Rauschen im Ohr loswerden.

Ist im Übrigen nicht von jetzt bzw vorhin die Rede, sondern gestern. Aber die Zeit haut hin – vor 24 Stunden hatte ich diese Gedanken. =)