Everybody lies, so pflegt es Gregory House zu sagen, die Hauptfigur der grandiosen Fernsehserie „Dr. House“. Und zugegeben: So ist es doch auch. Es ist nahezu unvorstellbar, dass es jemanden gibt, der durch sein gesamtes Leben ohne zumindest eine Notlüge kam. Das ist aber auch alles gar nicht schlimm. Irgendwie bizarr wird es allerdings dann, wenn die Menschen das Lügen zu einer eigenen fragwürdigen Kunstform erheben und nicht nur mit ihren Worten, sondern auch ihren Taten lügen, bis Pinnochio neidisch wird.

Ich spreche jetzt gar nicht von kleinen Sachen, wie einem freundlichen Händedruck, optional mit Lächeln, bei einer Person der man eigentlich innere Blutungen wünscht. So etwas ist manchmal ein notwendiges Verhalten und soll auch nicht das Thema sein. Ich wählte diese Einleitung nur, um auf eine besondere Gattung der Menschen zu sprechen zu kommen.

Sie suchen sich ihre Opfer offenbar wahllos aus. Das kann auf Geburtstagsfeiern geschehen, um nur mal eine atmosphärisch günstige Situation zu nennen. Sie wissen genau, was zu tun ist, und sehen gleich, wessen Geist sicher nachgeben wird, und dann geht’s los. Es fängt an mit Blicken, geht über Gespräche weiter zu Berührungen… bla bla, die übliche Scheiße, ihr wisst schon wie das läuft. Das Opfer kann gar nix tun, sich lediglich ausmalen, wie es noch weitergehen kann und sagen, „Ich werd das schaffen!“.
Mal angenommen, ich wäre jetzt dieses Opfer, der Abend wäre toll gelaufen und nun soll das weitergehen; es sieht sogar danach aus, als würde es das und ich beginne schon, wieder Glauben daran finden zu können, dass ich doch nicht so unfähig bin. Man nehme also an, ich als das Opfer erfahre wenige Tage später, dass ich nie eine Chance hatte, und dafür ein anderer meine mögliche Position einnahm.

Klingt das so, als hätte ich das wirklich erlebt? Ehrlich? Tja, dann isses wohl so. Ich hab eine Weile überlegt, was diese Menschen zu solch einem beschissenen Verhalten treibt. Das ist ja bei weitem kein Einzelfall gewesen, das ist mir auch klar. Wäre das so, könnte ich’s auf den Humor meines Lebens schieben, denn ich meist nicht verstehe, aber so? Da muss doch irgend eine logische Erklärung dahinterstecken, sollte die Logik auch noch so abstrus und idiotisch sein. Es macht halt niemand etwas ohne Grund, auch wenn einige das gern glauben würden.

Ich erwarte von keinem, der so etwas wie das Beschriebene gern tut, mir eine Erklärung zu liefern. Viel eher erwarte ich von diesen Leuten, sich von meinem Heimatplaneten zu entsorgen, aber dass man nicht alles haben kann, ist auch akzeptiert.

Aber weiß vielleicht jemand, irgendeiner, was diese Scheiße soll? Kann mir einer ne kurze Erklärung geben, inwiefern es Spaß machen kann, andere völlig unvorbereitet zu verletzen und sich dann noch nicht einmal dazu zu äußern, sondern noch guten Freundinnen aus dem Weg zu gehen, um nicht über das eigene Mies-sein sprechen zu müssen? Nicht? Das dacht ich mir.

Ich versteh’s nicht. Da kann ich drüber nachdenken, bis Quezacoatl wieder aufersteht, es kommt dabei nichts raus. Warum erst so eine Scheiße anfangen, wenn man am Ende merkt, dass die Scheiße scheiße war und Freundschaften gefährdet?

Das beste ist wohl, ich höre ab jetzt auf damit. Mit dem Nachdenken, darüber. Und vielleicht erreicht dieser Text ja auch die Richtigen und bringt sie wiederum zum Nachdenken. Ich bezweifle allerdings beide Annahmen gleichermaßen.