Im Deutschunterricht geht es gerade um Kommunikation. Nun bedarf es keiner besonderen intellektuellen Leistung, um zu verstehen, dass der Prozess an sich mit demjenigen beginnt, der zuerst etwas sagt oder Wattebällchen abfeuert, und ich will ja auch keine pseudowissenschaftliche Facharbeit drüber schreiben. Das kommt noch früh genug. Mir wird es hier einfach mal um kommunikative Defizite gehen; mich selbst werde ich davon natürlich nicht freireden. Vielleicht. Ich meine, beim Schreiben dieser Wörter jetzt, hab ich noch überhaupt keine Ahnung, über was ich überhaupt schreiben will, aber fangen wir einfach mal an, ganz drastisch.
Leute, die auf Fragen, an deren Beantwortung dem Fragenden etwas mehr liegt, als Fundamentalisten an geistiger Gesundheit, allen Ernstes mit „Darum!“ antworten, gehören meines Erachtens sozial isoliert und unter ständige Beobachtung mindestens zweier hochrangiger Sicherheitsbeamter. Kann man doch nicht machen, sowas. Stellt euch vor: Nach dem kräftezehrenden und Haarbüschel kostenden Zusammenkratzen eures ganzen Mutes und dem Verwerfen aller noch vorhandender Schamgrenzen fühlt ihr euch letztlich bereit, zu fragen: „Ich würde es einfach gern wissen, also: Warum empfindest du für mich nichts?“. Und von der anderen Seite bekommt ihr ein selbstgefälliges „Darum!“ zu hören, weil es für unnötiger als ein dritter Hoden befunden wird, sich seinen Gefühlen mal zu stellen. Darum… DARUM! Sagt mir nochmal einer, dass Videospiele an amoklaufenden Schülern Schuld tragen! Nein, es sind viel eher Leute, die andauernd mit „Darum!“ antworten, verdammt! Ich meine, was wäre das denn für eine gestörte Welt, in der jeder „Darum!“ für eine adäquate Antwort hält?
„Ey, warum hast du meine Puppe angemalt?“ „Hihi… daaaaaruum!“
„Wieso gibt es nun erneut eine Steuererhöhung?“ „Äh, darum?!“
„Warum haben sie diese Atomrakete gezündet?“ „Oorr… darum, man!“
Mal ehrlich, das geht doch nich! Das einzig Gute daran ist die Möglichkeit, den IQ solcher Leute ein wenig einfache schätzen zu können. Ähnlich verhält es sich da mit dem wahnsinnig aussagekräftigen Wort „Aha“. Es ist doch geradezu menschenverachtend, nach einer ellenlangen, liebevoll ausformulierten und ausführlichen Beschreibung einer Sache, an der man zuvor Interesse heuchelte, ein „Aha“ rauszuhauen. Einfach so. Ohne Zusatz. Mal ganz unverblümt an die Leute, die das immer machen: Was soll der Scheiß?? Wenn ihr nicht reden wollt, dann haut doch einfach ab und zockt, shoppt oder was ihr sonst so produktives macht, um so zu tun, als hättet ihr Hobbies und damit keine Zeit zum Reden. Aber sagt um Gottes Willen nicht „Aha“! Hysterische Mädels im Bus, die sich 15 Minuten lang über Popstars unterhalten und dabei Kandidatinnen imitieren, sind nicht so entnervend, wie das Gespräch nach einem „Aha“ weiterzuführen! Was meint ihr wohl, sind die Gründe für suizidale Jugendliche? Probleme mit der Familie? Versagen in der Schule? Nope, es sind Aha-Antworten!
„Weißtu, ich hab dich lieb.“ „Aha…“
Nach so einer seelischen Grausamkeit kann man von Glück reden, wenn der emotional Geschändete nicht von der Frauenkirche hüpft. Ich würd’s nicht tun, da ist mir der Eintritt zu teuer, aber bitte – bedenkt das doch, bevor ihr anfangt, scheiße zu sein!
Ganz schlimm wird es allerdings erst dann, wenn das Gespräch an beiden Parteien scheitert, weil man sich beispielsweise gegenseitig Cholera oder Scooter als Hochzeitsband wünscht, aber doch irgendwie miteinander reden muss. (Besonders wenn dann noch Freundlichkeit vorgespielt wird. Warum kann man sich nicht einfach aufrecht seine Abscheu zeigen? Ist doch viel lustiger!) Es gibt natürlich noch einige andere Gründe, und um hier auch überzeugend zu wirken, muss ich mich einmal mehr der Selbsterniedrigung bedienen. Heißt also, ich weiß dass ich’s nicht drauf hab, muss mir nicht noch extra mitgeteilt werden. Das sinnvollste Gespräch, das ich nämlich bis jetzt führte, bestand aus folgenden, durchdachten Wörtern und sollte in die Geschichte der großartigen Dialoge eingehen:
Ich: „Na?“
Wer anders: „Na?!“
Ja.
Das war’s.
Danach kam nix mehr.
Das war das Gespräch, so wie es da steht. Mitleidend-verächtliche Blicke und die Frage, ob ich eigentlich manchmal mit einer Rasierklinge auf dem Bett sitze, kann ich jetzt wohl keinem verübeln. Sagt mir halt auch nochmal, wie armselig ich bin, wenn ihr gar nicht anders könnt… aber man erkennt was ich meine.
Normal ist sowas ja, wenn man in sein Gegenüber womöglich verliebt ist. Busfahrten, bei denen man nebeneinander sitzt, sich absolut nichts zu sagen hat, viel lieber mit System Of A Down vollgedröhnt oder sich selbst pausenlos ohrfeigen möchte, weil das Mädel, auf dessen Titten man trotz temporärer Stummheit noch stiert, denken muss, man hätte eine Sozialphobie und wäre eigentlich kurz vorm Abnippeln – kennt ihr? Ja, da seid ihr sicher nicht allein. Passiert jedem anfangs mal, ist aber trotzdem zum Kotzen.
Nun nehme ich mich von Kommunikationsschwierigkeiten ja wirklich nicht aus (was mich gleich viel sympathischer macht.. haha); nervig ist es aber halt, und mal ne schriftliche Aufregung meinerseits wert. Ist ja sonst nix doofes los, gerade. :-)